Hermine Zaynard-Schwarzer

Technische Zeichnerin. Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1913    † 1943

 

Lebenslauf

Hermine Zaynard-Schwarzer wurde am 26.5.1913 in Wien geboren. Sie war technische Zeichnerin und die Frau von Leopold Zaynard.

Hermine Zaynard-Schwarzer war Vorzugsschülerin und absolvierte in Wien eine Schule für Kindergärtnerinnen. Sie war Funktionärin der "Roten Falken" in Wien-Margareten. 1933 nahm sie am Internationalen Rote Falken-Treffen in Oostende teil.

Kommunistischer Jugendverband, 2 1/2 Jahre Haft, Kontakte mit der Partei in die Provinz, Heirat

Hermine Zaynard-Schwarzer schloß sich 1934 dem kommunistischen Jugendverband an und fungierte als Leiterin in Wien-Margareten. Zwischen 1934 und 1938 wurde sie drei Mal verhaftet. Insgesamt war sie in diesem Zeitraum 2½ Jahre inhaftiert. Im März  1938 wurde sie aus dem Frauen-Zuchthaus Wiener Neudorf (Niederösterreich) entlassen. Sie war mit den Kontakten der Partei in die Provinz betraut. 1940 heiratete sie Leopold Zaynard.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 29. 4. 1942 wurde Hermine Zaynard-Schwarzer verhaftet und am 30. 9. 1943 gemeinsam mit Friedrich Hedrich (hingerichtet) zum Tode verurteilt. Am 19.11.1943 wurde sie im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Aus einem Brief vom 3. 10. 1943

„Als ich vor Monaten ein Todesurteil nur in Gedanken in Erwägung zog, fuhren mir die Schauer durch die Eingeweide. Zeitweise litt ich unter regelrechten Angstpsychosen. Wenn ihr an einem kühlen Sommertag zaghaft und langsam in die Alte Donau tretet, überläuft euch auch ein Kälteschauer nach dem anderen, und erst wenn ihr euch kurz entschlossen in die Flut stürzt, merkt ihr, dass es gar nicht so schlimm ist. Ähnlich erging es mir mit dem Todesgedanken. Als ich durch die Verurteilung gewissermaßen hineingestoßen ward, stellte ich mit Staunen fest, dass ich mir das ganz, ganz anders vorgestellt hatte. Ich taste meine Psyche ab und stelle allemal mit Verwunderung fest, dass sich nirgendwo, auch nicht in den verborgensten Winkeln meiner Seele Grauen, Furcht und Schrecken festgesetzt haben. Und nicht nur mir, sondern uns allen, die hier das ’Schicksal‘ vereint hat, ergeht es so. Nun mache ich es mit dem Leben mitunter so wie der Fuchs mit den Trauben, die er nur deshalb als zu sauer bezeichnet hat, weil er sie nicht haben kann (…) Allerdings, wenn ich das Wehr öffne, sodass sich die Flut meiner Liebe und Gedanken in das Strombett des Familienglückes ergießt, dann erfasst mich ein Weh und es ist, als leckten Lötflammen an dem eisernen Panzer, den ich mir ums Herz geschmiedet. Dass solches nicht oft geschieht, dafür sorgen wir hier eine für die andere. (…) Wenn ihr mich besuchen kommt, müsst ihr euch z’sammenreißen! Keine nassen Augen will ich sehen. Und meine Lieben, sollte es doch zum Ende kommen, so denkt daran, dass ich tapfer und gefasst sein werde.“

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich ihr Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

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